
Das erste Kapitel „This Is Awkward“ verortet Awkwardness als Merkmal von Situationen, in denen uns ein festes Skript fehlt. Awkwardness entsteht also dort, wo Normen noch verhandelt werden müssen. Ähnlich wie Sara Ahmed (wenn auch weniger detailreich behandelt) gesteht sie, dass sich die Platzierung der Empfindung recht schwierig gestaltet: Wo genau befindet sich der Affekt? In mir, zwischen uns, im Raum, bei dir – überall gleichzeitig? (S. 8)
Die Etymologie von „awkward“ als „facing the wrong way“ (S. 9) führt auf eine vielversprechende Verbindung zum Zwischenmenschlichen: „the correct way to face depends in part on where others are facing“. Hier geht Plakias jedoch nicht darauf ein, wie soziale Faktoren wie Geschmacksgemeinschaften, Klasse, Gender oder Herkunft diese Ausrichtung beeinflussen.
Im zweiten Kapitel „Feeling Awkward“ versucht Plakias, den Unterschied zwischen Awkwardness und Cringe zu definieren. Ihrer Auffassung nach ist Cringing kein Bestandteil vom Awkwardness-Affekt, sondern existiert gemeinsam nur in der Retrospektive (S. 44 f). Wir cringen nicht während wir unbeholfen versuchen, einen ‚awkward‘ Moment zu navigieren, sondern erst später, wenn wir uns an diesen Moment zurückerinnern.
Ein anschließender evolutionstheoretischer Zugang, der Affekte über Funktionslogiken erklärt (S. 46 ff.), sollte mit Vorsicht gelesen werden. Da emotionales Erleben neurobiologische, psychologische, soziale und kulturelle Ebenen umfasst, wirkt eine rein adaptionsbiologische Deutung schnell reduktionistisch und übersieht komplexe Wechselwirkungen.
Insgesamt liefert der Text wertvolle Anregungen, ohne jedoch alle Erwartungen an unseren Diskurs vollumfänglich zu erfüllen.
